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"Neues aus dem Tal" - Jubiläen, Ehrungen, Berichte

Ein Leben lang mit Puppen beschäftigt

Puppen zählen zu den ältesten und häufigsten Spielzeugen der Welt. Schon vor vielen Jahrhunderten spielten bevorzugt Mädchen mit ihrer „Pupa“, zogen sie an, bewegten sie und schliefen mit ihnen ein. Die Reichenbacherin Ria Jöckel hat sich nicht nur in ihrer Kindheit, sondern ein Leben lang mit ihren Lieblingen beschäftigt, für wahrscheinlich über hundert die Kleidung gewebt, genäht, gestrickt, gehäkelt. Einen Teil davon bewahrt sie in ihrem Wohnzimmer auf und zeigt sie voller Stolz ihren Besuchern.

Ria Eßinger, geschichtsträchtiger Jahrgang 1933, wuchs in einer großen Familie in der Felsbergstraße auf. Ihre Liebe zu den Puppen konnte sie beruflich nicht ausleben. Zu gerne hätte sie bei der Gestaltung, der Herstellung und dem Entwurf der Kleidung mitgewirkt. Denn Möglichkeiten dazu gab es ganz in der Nähe Lautertals. Während sich die gewerbliche Herstellung ab dem 15. Jahrhundert bevorzugt auf den Raum Nürnberg konzentrierte, gründete sich 1873 in Mannheim die Rheinische Gummi- und Celluloidfabrik und stellt ihre „Schildkrötpuppen“ noch heute her. Während vorher die Lieblinge der kleinen Mädchen noch aus Pappmaché oder Porzellan bestanden, wurden sie nun aus Gummi oder Celluloid gefertigt, hatten Kugelgelenke und Kleidung aller Art. Sie waren und sind bruchfest, abwaschbar, farbecht und hygienisch.

Ria Jöckel lebte ihr besonderes Verhältnis zu Puppen statt im Beruf als Hobby aus. Dabei orientierte sie sich schon ein wenig an Käthe Kruse, der weltweit bekannten Herstellerin von Künstlerpuppen, die auch den Ansprüchen von Spielpuppen gerecht zu werden versuchte. Als sich Anfang der 1980-er Jahre regelmäßig einige Frauen in der Bauernstube der Familie Schneider im Unterdorf zum Stricken, Weben, Häkeln und Sticken trafen, war auch die Puppenliebhaberin Ria Jöckel dabei.

Auch Trachtenpuppen hergestellt

Ihr Interesse übertrug sie auf die Teilnehmerinnen, die jetzt so manche eigenen Entwürfe realisierten.  Dabei fertigten die Damen auch gerne Trachtenpuppen, weibliche und männliche, denen sie die Odenwälder Tracht anzogen. Besonders achteten sie darauf, dass die Vorgaben des Odenwälder „Trachtenpapstes“ Hans von der Au beachtet wurden: Zugebunden bis zum Hals, damit ja kein Stückchen Fleisch zu sehen war. Die Odenwälder Tracht wurde halt in einer Zeit geboren, als Prüderie und Keuschheit das herausragende Merkmal besonders der Landbewohner waren.

1987 schloss sich der Spinnkreis dann dem örtlichen Verschönerungsverein an, was vereinsintern zu großen Diskussionen führte. Nicht alle konnten den handwerklichen Arbeiten der Spinnfrauen etwas abgewinnen. Unter der Regie des Vereins wurden die wöchentlichen Treffen in das evangelische Gemeindehaus verlegt. Zumindest für Ria Jöckel war dies die schönste Zeit in der Gruppe, auch weil sich alles auf die ursprünglichen Arbeiten der Landfrauen in der guten Stube konzentrierte. Keine sonstigen Aktivitäten störte das gemütliche und harmonische Beisammensein.

Altardecke für die Kirche

So blieb auch Zeit beispielsweise für die Erstellung einer Altardecke durch Ria Jöckel und Margarete Streck. Das gute Stück wurde während eines Gottesdienstes an Pfarrer Thomas Blöcher übergeben und wird noch heute regelmäßig aufgelegt. In dieser Zeit strickten die Damen des Spinnkreises besonders gerne Wollsocken für die daheimgebliebenen Männer, die es als Wohltat empfanden, mit diesen gut durchlüfteten und somit angenehm zu tragenden Strümpfen durch die Wohnung zu laufen.

Als der Spinnkreis dann sein Domizil in der ehemaligen Jugendherberge aufschlug, war auch Ria Jöckel noch regelmäßig dabei. Heute findet sie jedoch nur selten den Weg zum Treffpunkt im alten Rathaus. Mit inzwischen 86 Jahren strickt, häkelt, stickt und spinnt sie lieber in der eigenen Wohnung. Ob sie allerdings in der eigenen Familie eine Nachfolgerin für ihre handwerklichen Arbeiten findet, ist noch unsicher. Großes Interesse zeigt ihre Enkelin Laura (Foto) wohl schon für die Arbeiten der Oma. Doch derzeit wohnt sie in Wiesbaden, studiert in Mainz im fünften Semester Jura und hat wenig Zeit für handwerkliche Arbeiten. So ist Ria Jöckel froh, dass ihre berufstätige Tochter Annette gerne die Odenwälder Tracht bei den örtlichen Umzügen anlegt und mit dem Herstellen eigener Puppen die vielseitigen Hobbys ihrer Mutter pflegt und teilweise fortführt.

(Text: Heinz Eichhorn, Foto: Walter Koepff)

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Gemeindebücherei feierte 110. Geburtstag

Büchereileiterin Christina Metzger

Die „Erweckung feinerer Gefühle, literarische Unterhaltung und wissenschaftliche Ausbildung“ hatten die „Lesevereine“ in Deutschland zum Ziel. Auch in Reichenbach gab es einen eigenständigen Verein, der seine Bücher im evangelischen Gemeindehaus aufbewahrte und dort auch verlieh. Vor 110 Jahren wurde das erste Buch an Pfarrer Wilhelm Scheid ausgegeben, wie aus dem „Leser-Konto“ im Gemeindearchiv noch heute zu ersehen ist.

Richtig Fahrt nahmen die Ausleihen jedoch erst vor hundert Jahren nach dem Ersten Weltkrieg 1919 auf. Auch wenn der Verein selbständig agierte, dürfe er wesentlich unter dem Einfluss von Wilhelm Scheid,  Valentin Keil und Wilhelm Dude zustande gekommen sein. Schließlich waren die Lesevereine meistens „private Zusammenschlüsse des vorwiegend gehobenen Bürgertums“. Und zu ihnen zählten Pfarrer, Schulleiter und Fabrikdirektor allemal.

In Reichenbach wurde wohl schon seit 1600 Schule gehalten, doch für Übung und Verbesserung des Lesens fehlte es an „Zeitungen, Zeitschriften und Büchern“. Diese stellte jetzt der Leseverein den Einwohnern gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung. Auswählen konnten die Interessenten unter 275 Büchern. Die Zahl der vorhandenen Zeitungen und Zeitschriften wurde im Vereinsarchiv nicht festgehalten. Es dürfte sich jedoch in erster Linie um Ausgaben des Bergsträßer Anzeigenblattes (BA) gehandelt haben, das nach dem Ersten Weltkrieg vermehrt auch über das „Tälche“ berichtete und dort abonniert wurde.

Mit dem Ende des Zeiten Weltkrieges löste sich so manches auf, unter anderem auch der örtliche Leseverein.  Die „Erbmasse“ übernahm die Arbeiterwohlfahrt (AWO). In seinem Übergabeprotokoll vermerkte der AWO-Beauftragte Karl Appel, einem Eisenbahnbeamten aus Olmütz-Parlow (heute CSR), ausdrücklich die Zustimmung von Bürgermeister Wilhelm Jährling und Pfarrer Georg Mager zu diesem Akt. Zumal sich auch „niemand vom ehemaligen Leseverein gemeldet hat, der die verbliebenen Bände einem neu gegründeten Verein zuführen wollte“.

Als Leiter der jetzigen „Volksbücherei“ ernannte die AWO Dr. Franz Korger. Der Jurist war Heimatvertriebener aus Mährisch-Schönberg (CSR), kam am 15.05.1946 nach Reichenbach und wohnte in der Metzgerei Schneider in der Nibelungenstraße 54. Mit ihm und Franz Appel erlebte die inzwischen ins Rathaus verlagerte Ausleihe einen beträchtlichen Aufschwung. Neue Bücher konnten auch über die „Volksbüchereistelle in Darmstadt-Schloss“ erworben werden und in Alsbach wurde eine „private Leihbücherei komplett zu sehr günstigen Bedingungen erworben“. 1951 erreichten die Zahl der Leser mit 160 und die Buchausleihen mit über 3.000 Höchststände.

Am 20. August 1952 stellte Korger an die Gemeinde den Antrag, „die Bücherei nach der Weisung des Hessischen Gemeindetages aus Etatmitteln zu subventionieren“. Und zwar mit rund 20 Pfennigen pro Einwohner und Jahr, also mit rund 500 DM. Leider wäre der Antrag weder beantwortet, noch die Subvention gewährt worden. Erst durch Intervention des AWO-Vorsitzenden Günter Hebel sei Bewegung in die Sache gekommen und die Gemeinde hätte fortan den Zuschuss gezahlt.

Nachfolgerin von Dr. Franz Korger wurde dann für mehrere Jahrzehnte Christel Kindinger. Als Frau des späteren AWO-Vorsitzenden Hans Kindinger dokumentierte sie die weiterhin bestehende Verbindung zwischen AWO und Gemeindebücherei. Verdeutlicht wurde dies auch mit dem Umzug in die ehemalige Jugendherberge in der Beedenkirchener Straße, dem neuen Domizil des Vereins ab Mitte der 1970-er Jahre.

Nach dem Tod von Christel Kindinger widmete sich ihre Tochter Christina Metzger der Beschaffung und der Ausleihe der Bücher. Mit ihr und der Entwicklung wandelte sich die Gemeindebücherei erneut. So befinden sich jetzt die Räume im neuen Rathaus und in Zeiten digitaler Technik wird neben rund 2.000 Bänden in handfester Form auch die neue Technik  im Angebot berücksichtigt.

Trotz weiter entwickelter Technik ist nach über einem Jahrhundert Lesen vieles beim Alten geblieben: Wer lesen kann und auch noch liest, ist eindeutig im Vorteil. Lesen bildet und das Lesen eines guten Buches kann den getriebenen und sich im Dauerstress befindlichen Menschen die dringend benötigte Entschleunigung bringen, die sie sonst nicht finden. Insofern ist der Leiterin der Gemeindebücherei auch um deren Zukunft nicht bange.

(Text und Foto: he)

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Reichenbacher Rathaus als Ort der Kunst

Malerei: Pauline Schöneck stellt ihre Acrylgemälde im Sitz der Gemeindeverwaltung aus / Künftig soll es dort weitere solcher Aktionen geben

Reichenbach. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Lautertal war Pauline Schöneck mit Bürgermeister Andreas Heun ins Gespräch gekommen. Nun darf sie ihre zahlreichen abstrakten Acrylbilder unter der Überschrift „Farbgefühle“ im Reichenbacher Rathaus einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. „Sie haben den Mut zu diesem Schritt gehabt und damit den Bann für zukünftige Ausstellungen im Rathaus gebrochen“, freut sich Heun. „Im Rathaus sollte nicht nur die Politik eine Rolle spielen. Der Gemeindevorstand ist der Meinung, dass auch Kunst und Kultur hier im Rathaus vertreten sein sollen, um miteinander ins Gespräch zu kommen“, hofft er auf weitere Talente, die die Gelegenheit nutzen wollen, hier einmal ihr Können zu zeigen.

Zur Ausstellungseröffnung kamen zahlreiche Besucher, die teilweise bisher nichts davon geahnt hatten, welche vielfältigen künstlerischen Talente Pauline Schöneck hat. Davon berichtete dann auch ihre Tochter Edda Schöneck-Dander in der Laudatio. „Lass dir etwas einfallen, hast du mir gesagt, als ich gefragt habe, welche Form denn so eine Lobrede haben soll“, ließ sie die Zuhörer an ihrer anfänglichen Ratlosigkeit teilhaben.

Mehrere Wochen für ein Bild
„Von Anfang an, hat es dich begeistert, dich künstlerisch ausdrücken zu können. Sei es im schulischen Kunstunterricht oder später beim Töpfern, Stricken und vielem anderen mehr“, beschrieb die Tochter die künstlerische Ader ihrer Mutter. Und weiter: „Mit der abstrakten Malerei hast du ein weiteres interessantes Ventil gefunden, um deine Gefühle auszudrücken zu können. Deine Bilder haben keine Titel. Und das ist bewusst so gewählt, denn der Betrachter soll letztlich selbst herausfinden, was ihm das Bild sagen will“, gab sie den Besuchern mit auf den Weg durch die Ausstellung.

Bevor die Kunstinteressierten den Weg durch die Flure antraten, vergaß die Künstlerin aber nicht, sich bei den ihnen für ihr so zahlreiches Erscheinen, bei Andreas Heun und dem Gemeindevorstand für die Offenheit, bei Peter Schuster, Martin Steinmann und Inge Meier für die logistische Unterstützung, bei ihrer Tochter für die Laudatio und auch bei ihren Enkeln Hanna und Paul zu bedanken, die an diesem Sommertag, ihr zu Ehren, auf den Schwimmbadbesuch verzichtet haben.

Pauline Schöneck stammt ursprünglich aus Völklingen im Saarland, wohnt aber schon seit fast 30 Jahren im Lautertal. Vor fünf bis sechs Jahren hat sie mit dem Malen von Acrybildern begonnen. „Das Bild entwickelt sich nach und nach. Dabei lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf“, beschreibt sie die Arbeit mit verschiedenen Techniken, etwa der Spachtel- oder Sprühtechnik. „Bis so ein Bild fertig ist, können mehrere Tage, ja sogar Wochen vergehen. Das kann man vorher nicht abschätzen. Manchmal male ich bis spät in die Nacht. Niemals arbeite ich aber parallel an mehreren Bildern gleichzeitig“, erläutert Schöneck. „Mit Blick auf die Nibelungenstraße habe ich mir hierfür eigens ein Zimmer hergerichtet“, sagt sie abschließend.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. September während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Für Oktober ist eine weitere Ausstellung im Kunstpalast in Elmshausen in Vorbereitung.

(Text: Ferdinand Derigs)

 

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Förderin der Vereine Elisabeth Lampert verstorben

Eine große Zahl örtlicher Vereine wurden von Elisabeth Lampert unterstützt, oft Jahrzehntelang und bis ins hohe Alter hinein. Jetzt wurde sie auf dem Friedhof in Reichenbach zu Grabe getragen.

Elisabeth kam nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn in den Odenwald. In Reichenbach heiratete sie den selbständigen Schmiedemeister Hans Lampert und war im Geschäft für den Verkauf der Haushaltswaren zuständig. In dem kleinen Laden konnte man alles erwerben und Elisabeth fand auch mit zielsicheren Handgriffen immer alles auf Anhieb.

Über ihren Mann und die Kundschaft fand sie früh den Kontakt zu den örtlichen Vereinen und Organisationen. Mit der Frauenhilfe traf sie sich fast jeden Mittwoch und schmückte oft die Räume mit Blumen aus dem Hausgarten. Ihre ein- und mehrjährige Stauden gab sie auch gerne an Freunde und Bekannte weiter. Die Liebe zu Natur und Pflanzen kam auch bei der Mitarbeit im örtlichen Verschönerungsverein (VVR) zum Ausdruck. 35 Jahre lang pflegten sie und Hans die Anlage am Eingang zur Friedhofstraße und wurden dafür vom VVR besonders geehrt.

Eintritt und Mitarbeit im Arbeitskreis Partnerschaft Europäischer Gemeinden (APEG) hatten die positiven Erfahrungen ihres Mannes in französischer Kriegsgefangenschaft gefördert. Auch deshalb nahm das Ehepaar gerne Gäste aus Jarnac auf. Elisabeth Lampert unterstützte den Frauenchor, saß oft bei der Feuerwehr und den Vogelschützern an der Kasse und turnte beim SSV in der Seniorinnengymnastik. Zwanzig Jahre lang lieferte sie bei den SSV-Flohmärkten ihren begehrten Kartoffelsalat ab.

Erst als ihre gesundheitlichen Probleme zunahmen und 2014 ihr Ehemann verstarb, schränkte sie ihre Mitarbeit in den Vereinen ein. Elisabeth Lampert verstarb am 26. September im gesegneten Alter von 87 Jahren. Die Trauerfeier fand am Mittwoch, 11. Oktober in der Evangelischen Kirche statt.

(Text und Foto: he)

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Nachruf Renate Habermaier

Es war die Hochzeit der SSV-Damengymnastik, als Renate Habermaier die Übungsstunden leitete. Die Lehrerin an der Felsenmeerschule, aktives Mitglied auch bei den Trachtenträgern des Verschönerungsvereins Reichenbach (VVR) und im Odenwaldklub Auerbach, hatte immer wieder neue Ideen bei der Übungsarbeit. Jetzt verstarb die zuletzt in Lindenfels Wohnende im Alter von 78 Jahren.

Renate Habermaier kam im Herbst 1983 zum SSV, als sich unter der Leitung von Monika Muth eine Gymnastikgruppe gegründet hatte. Fortan leitete sie die Übungsstunden montags abends in der gerade fertiggestellten Lautertalhalle. Unter ihrer Regie gingen die jungen Frauen mit großem Engagement zur Sache und waren nicht nur sportlich aktiv. So traten sie bei Herbstfesten des Verschönerungsvereins Elmshausen, bei der jährlichen SSV-Fastnacht und den Vereins- und Dorfjubiläen auf. Höhepunkte waren die großen Festzüge aus Anlass des 75-jährigen SSV- und des 975-jährigen Dorfjubiläums, als die 30 Personen starke Gruppe rhytmisch mit rot-weißen Sonnenschirmen und Bändern durchs Dorf zog.

Stark engagiert war Renate Habermaier auch im VVR. Schon immer an Trachten und der Heimatgeschichte interessiert, warb sie erfolgreich unter ihren Schülern für ein Mitmachen bei den Trachtenträgern. Sie selbst war bei vielen Umzügen dabei und konnte ihre Begeisterung für die Odenwälder Tracht auch auf ihre Enkel übertragen. Zudem malte sie oft Bilder von ihrer alten Heimat Ostpreußen, verfasste romantische Gedichte („Lyrische Gedanken - Alte und neue Heimat, Partnerstädte Bensheim – Riva del Garda“) und warb in Ausstellungen und Lesungen für ein von Humanität geprägtes Miteinander.

Schon an den Rollstuhl gefesselt besuchte Renate Habermaier noch an Fasching die Bilderschau des SSV und erinnerte sich in den Gesprächen mit den Gymnastikdamen an einige schöne Jahre. Die  Trauerfeier findet am Freitag, 14. September, um 11:00 Uhr in der Bergkirche in Auerbach statt.

(Text und Foto: he)

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Verdientes Mitglied des Spinnkreises unter der Haube

Großer Bahnhof für Bettina Meister.

Die Hochzeit ihres Mitgliedes mit Rafael Keim nutzten zahlreiche Trachtenträger des Verschönerungsvereins (VVR), um ihr für eine langjährige Unterstützung zu danken. Meister war mit ihrem Umzug nach Reichenbach zusammen mit ihrer Mutter Rosemarie Mitglied des Spinnkreises geworden, wurde Trachtenträgerin, nahm an fast allen Umzügen teil und kommt auch regelmäßig zu den Treffen jeden Donnerstag ins alte Rathaus.

Dort wird gesponnen, gehäkelt, gestrickt und neuerdings immer mehr gesungen. Nach dem Ausscheiden von Irene Gorka gibt nun dazu Rudi Roth den Takt an und zu den Treffen kommen auch schon mal zwei Dutzend Teilnehmer. Spinnkreisleiterin Petra Baumbach und Vorsitzende Simone Meister dankten Bettina Meister, die sich auch von Berufs wegen um die Kasse des Vereins kümmert, mit kleinen Präsenten.

Zu den Gästen beim Empfang vor dem Rathaus zählten auch Staatssekretär Dr. Michael Meister mit Gattin, Lautertals Erster Beigeordneter Helmut Adam, sowie die beiden Reichenbacher Ehrenortsvorsteher Albrecht Kaffenberger und Heinz Eichhorn.
 

(Text: he, Foto: fk)

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Kartoffeldeutsche besuchten die Kirche ihrer Ahnen

Trachtenträger des Verschönerungsvereins mit ihren Gästen aus Dänemark auf dem Weg zur Evangelischen Kirche. Vorne links der Vorsitzende der Kartoffeldeutschen, Aksel Kramer.

Die Evangelische Kirche in Reichenbach haben sogar schon die Vorfahren der „Kartoffeldeutschen“ gekannt. Als sie sich 1759 auf den langen Weg aus dem Odenwald nach Jütland in Dänemark machten, war sie gerademal elf Jahre alt, eingeweiht am 2. Juli auf „Maria Heimsuchung“, also vor 270 Jahren.

Die Nachfahren der Auswanderer zeigten sich beeindruckt von dem Gotteshaus und seinem gepflegten Zustand. Für das Kirchspiel Reichenbach mit seinen Filialorten Elmshausen, Reichenbach, Hohenstein, Knoden, Breitenwiesen, Gadernheim, Raidelbach und Lautern war sie bei ihrer Einweihung und rund 700 Einwohnern eigentlich viel zu groß. Doch nach der Reformation, die der Pfälzer Kurfürst Ottheinrich 1556 im Tal einführte, ging es auch um das Prestige. So beim neuen Pfarrhaus 1571 und auch später bei der neuen Kirche, die im wesentlichen die Grafen von Erbach/Schönberg, die damalige Herrschaft im Tal, finanzierten.

Die Grafenkrone thront dann auch über dem Eingang, darunter ihre Wappen. Und im lateinischen Text wird an die Reformation erinnert: „Eingeweiht im Gedenken der hundertsten Wiederkehr des kostbaren Westfälischen Friedens, der den Protestanten den Gottesdienst sicherte“. Auch im Inneren der Barockkirche („Ochsenaugen“) wird auf bestimmte Zielsetzungen Wert gelegt. So hebt Hans-Jörg Geißler, der verstorbene Chronist der Kirchengemeinde, die „urevangelische“ Form der Kanzelwand hervor: „Altar, Kanzel und Orgel vor der Gemeinde und übereinander, Abendmahl, Wort Gottes und Gotteslob sind Eins.“

Großes Interesse weckte bei den dänischen Gästen eine Altardecke aus rotem Seidendamast, die 1748 von der Herrschaft spendiert wurde. Sie tauchte bei der letzten Renovierung im Jahre 2000 wieder auf und ist jetzt in einer Vitrine zu sehen. Leider sind die ehemals strahlenden Farben durch Alterung verblasst. Sie dient jedoch ebenfalls wie ein Taufkrug aus dem Kirchenbaujahr der Erinnerung an die Vorfahren der Auswanderer nach Dänemark. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde damals so mancher „Kartoffeldeutsche“ zwischen 1748 und 1759 mit diesem Taufkrug in die Kirchengemeinde aufgenommen und mancher von ihnen sah zu besonderen Anlässen die wertvolle Altardecke.

In Reichenbach empfangen wurden die Nachfahren der Auswanderer von Trachtenträgern des örtlichen Verschönerungsvereins, darunter Vorsitzende Simone Meister und Neumitglied Bürgermeister Andreas Heun, diesmal noch in Zivil. Heun hieß in der Kirche die Gäste offiziell willkommen, besonders den Vorsitzenden der Kartoffeltysker, Aksel Kramer, sowie die langjährigen Organisatoren der Fahrten, Anna und Verner Dürr. Mit dabei auch Nachkommen der beiden Brüder Bitsch aus Graubünden (Schweiz), die nach dem 30-jährigen Krieg in Raidelbach und Breitenwiesen mit insgesamt 19 Kindern eine wahre Dynastie im vorderen Odenwald errichteten.

(Text: Heinz Eichhorn; Foto: Friedrich Krichbaum)

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Aus dem Marktplatz- wird ein Osterbrunnen

Traditionen bewahren will der örtliche Verschönerungsverein (VVR).

Erneut soll der Marktplatzbrunnen in einen „Osterbrunnen“ verwandelt, entsprechend geschmückt werden und Fußgänger und Verkehrsteilnehmer an das bevorstehende Osterfest erinnern.

Geplant ist der Aufbau von einer kleinen Arbeitsgruppe am Samstag, 10. März 2018.

Aufbau des Osterbrunnens

Einen Tag später wird der Osterbrunnen um 12:00 Uhr offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Dazu bittet die Vorsitzende, Simone Meister, die Trachtenträger des Vereins, ihre Sonntagstracht anzulegen. Vom Osterbrunnen ziehen die Teilnehmer dann weiter zum Ostermarkt des TSV in den Brandauer Klinger. Dort werden Spinnfrauen, Sängerinnen, Sänger und Musikanten aus Anlass des 125-jährigen Bestehens des Turn- und Sportvereins alte odenwälder Lieder zum Besten geben.

(Text: Heinz Eichhorn, Foto: Friedrich Krichbaum)

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„Fußball-Institution“ Heinz Roß wurde 85

Eine Fußball-Institution feierte ihren 85. Geburtstag. Knapp 50 Gäste waren dabei, als Heinz Roß in der Speisegaststätte „Am Felsenmeer“ seine lange Zeit als Fußballer und Mitglied der Rot-Weißen Revue passieren ließ.

Heinz Roß wurde am 9. Februar 1933 in der Schuhgasse geboren, rannte schon als Bub dem runden Leder nach und versäumt auch heute kein Spiel seines SSV. 1948, als es in Reichenbach nur einen Fußballverein gab, begann er als 15-Jähriger in der A-Jugend des TSV. Mit ihm kickten damals unter anderen Willi Heil (später Lautern), Helmut Schneider, Hans Baumunk und die heutigen TSV-Oldies Philipp Degenhardt und Gerhard Fassinger.

Anfang der 1950-er Jahre waren auch die späteren SSV-ler Ludwig Piatkowski, Ludwig und Heinrich Kindinger, Manfred Marquardt, Leopold Müller, Peter Jährling, Bruder Fritz Roß und Robert Oswald dabei.

1954 Erste Eroeffnungsspiel in Riedrode

Mit der Gründung des SSV 1954 war Heinz Roß einer der tragenden Säulen der Mannschaft (siehe Foto vom Eröffnungsspiel in Riedrode, stehend vierter von links). Er bestach als Techniker mit präzisem Torschuss. Zu den jungen Spielern kam mit Karl Müller, Wilhelm Mink, Nikolaus Ertl, Georg und Adam Jährling, sowie Josef Murowatz Erfahrung hinzu. Als der Verein 1970 seine erste Meisterschaft feierte, war der Jubilar Spielausschussvorsitzender, später Zweiter Vorsitzender. In den 1970-Jahren folgten noch zwei weitere Meisterschaften.

Heinz Roß blieb seinen Rot-Weißen aber auch in schwierigen Zeiten bei den Abstiegen aus der B-Klasse und schwachen Platzierungen in  der C-Klasse treu. Dass er einmal den Aufstieg in die A-Klasse miterleben werde und der SSV dort eine gute Rolle spielen würde, davon hätte der Fußballfreund nicht zu träumen gewagt. Unterstützt wird er schon seit über 50 Jahren von seiner Frau Gertraude, die viele Jahre die Kasse beim SSV führte. Aus der Ehe gingen zwei Kinder und ein Enkel hervor.

Trotz weitgehender Auslastung durch den Fußball hatte Heinz Roß noch Zeit für weitere Hobbys. So sang er im Doppelquartett mit und gehört schon seit 2008 dem Vorstand der Reichenbacher SPD an. Für SSV und SPD trägt er trotz betagtem Alter in erstaunlicher körperlicher Fitness immer noch Informationsschriften des Fördervereins, Einladungen und Flugblätter aus.

(Text: he)

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Willi Eichhorn wurde 70

Seinen 70. Geburtstag feierte in der Hauptstraße in Lautern Willi Eichhorn.

In Reichenbach geborenen und aufgewachsen, heiratete er Lieselotte Schmidt und baute sich mit ihr neben deren Elternhaus ein Eigenheim, direkt gegenüber der Hofreite Horn, in der die Vorfahren der Lautertaler Familien Eichhorn schon vor über 450 Jahren wohnten. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.

Heute freut sich das Ehepaar über zwei Enkelkinder. Die letzten beiden Jahrzehnte seines Berufslebens war Willi Eichhorn beim Regierungspräsidium in Darmstadt tätig.

Einen Großteil seiner Freizeit verbrachte er mit der Unterstützung mehrerer Vereine und Organisationen. So kickte er als Schüler 1959 in der damals neu gegründeten Schülermannschaft der SSV, war später im Spielausschuss und als Beisitzer im Vorstand tätig.

Besonders tat er sich beim Bau des Vereinsheims und beim Neubau des Umkleidehauses hervor. Bei der SG Lautern spielte er in der Reserve und geht regelmäßig zum Seniorenstammtisch ins Vereinsheim.

Der Gewerkschafter war Gründungsmitglied des DGB Lautertal/Lindenfels im Jahre 2004 und arbeitet dort seitdem im Vorstand mit. Bereits seit 1972 gehört er der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands an, ist Mitglied im Vorstand der SPD Lautern und dort insbesondere für die Plakatierung im Dorf zuständig. Als eifriger Wanderer und Naturliebhaber beobachtet er die Vogelwelt in den Lautertaler Wäldern und unterstützt die Vogelschutzgruppe in den Höhengemeinden.

(Text: he, Foto: Willi Eichhorn)

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